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Lytro – Lichtfeldkamera im Test. Technikrevolution oder nur ein Spielzeug?

Zunächst fotografieren und dann nachträglich beliebig fokussieren? Das ist in der Tat mittlerweile mithilfe einer neuen Kameratechnik möglich. Scharfstellen einfach später! Die erste Lichtfeldkamera ist nun bereits seit einigen Monaten auf dem deutschen Markt und in den Vereinigten Staaten sogar seit dem Frühjahr 2012 im Handel erhältlich. Nun sind wir endlich auch dazu gekommen sie zu testen.

Wir stehen am Rande eines Marathons und wollen die Läufer fotografieren, unser Hund rennt bellend am Strand entlang oder dem kleinem Jungen fällt das Eis auf den Boden. Das sind alles Situationen, in der sich jeder sicherlich schon einmal befunden hat und diese auch gerne eingefangen hätte. Doch wie oft haben wir es dann wirklich geschafft, diese Situation auch wirklich zu fotografieren? Selbst wenn rechtzeitig ausgelöst wurde, so ist die Blendenöffnung entweder zu groß oder die Brennweite zu gering. Selbst der eingeschaltete Autofokus ist oftmals nicht schnell genug.

Mit Hilfe der neuen Lichtfeldkamera des kalifornischen Unternehmens sollen diese Probleme gelöst werden. Die Rede ist von Lytro, mit der man im Nachhinein ausgewählte Details am Computer scharf stellen kann. Dabei unterscheidet sich diese von anderen Kameras, dass ihr Bildsensor so konstruiert wurde, dass ihre Software im nachhinein errechnet, woher die Lichtstrahlen kamen.

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Effekt

Nach jeder Aufnahme kann man den Fokuspunkt auf einen anderen Bildbereichen legen. Egal, ob der Vordergrund scharf und der Hintergrund unscharf oder andersherum sein soll – vielleicht sollen aber auch beide durchgängig scharf sein? Lytro bezeichnet dies als „living pictures“. Durch den nachträglichen Focus können die Aufnahmen schneller ausgeführt werden und die hohe Lichtempfindlichkeit ermöglicht Aufnahmen in dunkleren Orten.

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Design

Bei uns Frauen spielt die Optik natürlich eine große Rolle und gerade hier wird die Lytro sehr interessant. Das Gehäuse der Lytro-Kamera ist ein schmaler, hoher Quader. Auf den ersten Blick erinnert sie uns an ein Küchengerät, wie z.B. einen Salzstreuer. Für eine Kamera recht ungewöhnlich, aber edel sieht sie aus und ist in mehreren Farben erhältlich. Das innere Leben der Lytro besteht vor allem aus vielen winzigen Linsen, die das einfallende Licht in unterschiedliche Einzelbilder unterteilt.

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Aufbau

Die große Objektivlinse hat einen 8-fachen-Zoom mit 43-340mm Brennweite (Kleinbild). Dazu kommt eine durchgehende 2,0er-Lichtstärke. Auf der Rückseite sehen wir einen kleinen quadratischen Touchscreen. Für unsere Verhältnisse doch etwas zu klein und zu unscharf. Dicke Wurstfinger sollte man nicht besitzen! Denn hier müssen durch geschickte Fingergesten Kamera-Einstellungen im Menü durchgeführt werden. Dem Kamerabesitzer stehen bis zu 16 Giga-Byte Speicherplatz zur Verfügung. Dies sollte für rund 350 bzw. 700 Aufnahmen ausreichen.

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Besonders begeistert sind wir von der Lytro Mobile App (iOS) begeistert, denn hiermit können die Fotos per Wi-Fi direkt von unterwegs online oder auf der Lytro-Website geteilt werden.

Wir wollen uns mal die Stärken und Schwächen der Lytro-Kamera anschauen:

(+)
In unserem Test funktionierte der Schärfeeffekt sehr gut. Mithilfe der der Lytro-Software kann der Focus super eingestellt werden und die Bilder sind durchgehend scharf. Anschließend können die Bilder als JPG-Dateien exportiert werden oder ihr veröffentlich sie direkt auf der Lytro-Website. Uns ist aufgefallen, dass Vorder- und Hintergrund deutlich erkennbar sein müssen, damit der Schärfeeffekt besonders auffällt. Den optischen Zoom kann man relativ gut bedienen: Hierzu einfach mit dem Finger über einen Streifen an der Oberseite des Gehäuses streichen.

(-)
Bei der Bildqualität werden wir leider schnell wieder auf den Boden der Begeisterung geholt: Die Aufnahmen haben gerade mal eine Qualität einer etwas besseren Handykamera. Sicherlich gibt es heutzutage auch Smartphone-Kameras, die sogar eine bessere Qualität anbieten. So reicht die Auflösung der Bilder gerade mal für einen Upload der Bilder bei Facebook. Anders als von Lytro beschrieben gelangen bei uns auch keine Aufnahmen mit dunklen Verhältnissen. Wer mehr als 350 oder 700 Aufnahmen machen möchte, sollte unbedingt seinen Laptop dabei haben, um die Bilder zwischen durch zu exportieren. Außerdem sollte auch für einen Stromanschluss gesorgt werden, die Akkulebensdauer ist ebenfalls nur begrenzt.

Wie oben bereits geschrieben ist das Display mehr etwas für Fuchsaugen oder Besitzer einer Lupe. Hinzu kommt, dass der Display stark spiegelt und wir beim Test in einer lichtstarken Umgebung immer die Hand über das Touchscreen halten müssen, damit irgendwas, bei der ohnehin geringen Auflösung, erkannt werden kann. Doch besonders stört uns der relativ hoch angesetzt Preis für die Kamera: 455 EUR (Amazon) sind doch etwas teuer für diesen Spielspaß.

Fazit

Wir wollen nicht nur über die Lytro meckern, auch wenn ihr Preis und die schlechte Bildqualität uns relativ abschrecken. Aber sie sieht toll aus und ist definitiv eine Technikrevolution auf dem Kameramarkt. Wir denken, dass die Lytro noch sehr ausbaufähig ist. Sollte ihr Nachfolger es schaffen sich mit ihrer Lichtfeldtechnik auf dem Markt zu etablieren, so könnte sie den Fotomarkt verändern. Denn wirkliche technische Innovationen haben wir bereits länger nicht gesehen!